Das KI-Didaktikmodell

9 Axiome, 3D-Koordinatensystem und Entscheidungslogik – die komplette theoretische Grundlage.

9 Axiome Kernbegriffe Koordinatensystem Entscheidungslogik

Die 9 Axiome

Das unverrückbare Fundament des Modells. Diese Prinzipien sind nicht verhandelbar und leiten jede Entscheidung über KI-Einsatz im Unterricht.

01
👤

Vorrang der menschlichen Handlungsfähigkeit

Lernende und Lehrpersonen sind die alleinigen Akteure. KI ist ausschliesslich Werkzeug. Pädagogische Entscheidungen bleiben unter menschlicher Kontrolle.

02
🎯

Priorität der Lerneffektivität

Tiefes Lernen und Kompetenzaufbau haben Vorrang vor effizienter Aufgabenerledigung. Eine korrekte Antwort durch unproduktive Abkürzungen ist ein pädagogisches Versagen.

03
⚖️

Absolute Rechenschaftspflicht

Der menschliche Nutzer trägt vollständige Verantwortung für jeden KI-gestützten Output. Diese Verantwortung kann nicht an die Maschine delegiert werden.

04
🔍

Verbindliche Transparenz

Die Nutzung von KI in beurteilten Arbeiten muss explizit offengelegt und nachvollziehbar sein. Verschleierung ist ein Integritätsverstoss.

05
📝

Verankerte Prüfbarkeit

Kernkompetenzen müssen ohne KI-Assistenz demonstrierbar sein. Prüfungen müssen KI-resistent oder KI-integriert gestaltet sein.

06
🤝

Aktive Fairness

KI-Integration muss aktiv algorithmische Verzerrungen abbauen und chancengerechten Zugang gewährleisten.

07

Grundsatz der Verifizierung

Jeder KI-Output ist als Hypothese zu behandeln, bis er kritisch evaluiert und verifiziert wurde. Quellen-Verifizierung ist nicht delegierbar.

08
🎓

Unersetzbarkeit des pädagogischen Urteils

Das professionelle Urteil der Lehrperson bleibt unersetzbar und hat stets Vorrang vor KI-Empfehlungen.

09
🔒

Datensparsamkeit und Datenschutz

Strikte Einhaltung der DSGVO mit Minimierung persönlicher Daten. Datenschutz ist nicht verhandelbar.

Vom Fundament zur Sprache

Die neun Axiome bilden das unverrückbare Fundament – sie sind nicht verhandelbar. Doch Prinzipien allein genügen nicht. Um sie im Alltag anwendbar zu machen, brauchen wir eine gemeinsame Sprache. Die folgenden Kernbegriffe übersetzen die abstrakten Axiome in konkrete, beobachtbare Konzepte. Sie ermöglichen es uns, über KI-Einsatz im Unterricht präzise zu kommunizieren – unter Kolleg:innen, mit Schüler:innen und gegenüber Eltern.

Kernbegriffe

Die wichtigsten Fachbegriffe des Modells – präzise definiert und beobachtbar.

Kognitive Souveränität

Bewusste Kontrolle über eigene Denkprozesse, gezielte Entscheidung über KI-Delegation.

Didaktische Schleife

Strukturierter, iterativer Prozess: Prompt → KI-Output → Kritik → Verfeinerung → autorisierte Handlung.

Prüfungsresistenz

Aufgaben, die durch KI-Delegation nicht zufriedenstellend lösbar sind.

Transparenz-Protokoll

Standardisierte Dokumentation der KI-Nutzung (Tools, Art der Interaktion, eigene Beiträge).

Kompetenz-Anker

Fundament von Kernkompetenzen, die ohne KI beherrscht werden.

Pädagogische Leitplanken

Klare Regeln für erlaubten/verbotenen KI-Einsatz bei spezifischen Aufgaben.

Von der Theorie zur Praxis

Mit den Kernbegriffen haben wir nun eine gemeinsame Sprache. Doch wie entscheiden wir konkret, wann KI erlaubt, begrenzt oder verboten sein sollte? Hier kommt das didaktische Koordinatensystem ins Spiel. Es übersetzt die theoretischen Konzepte in ein praktisches Werkzeug: Drei Achsen, die jede Lernsituation eindeutig verorten. Die Idee: Jede Aufgabe hat einen "Ort" in diesem dreidimensionalen Raum – und dieser Ort bestimmt, welcher KI-Modus angemessen ist.

Das didaktische Koordinatensystem

Verorten Sie jede Lernaufgabe im dreidimensionalen Raum. Das System berechnet automatisch die empfohlene Handlungsweise.

X: Generativitätsgrad

Wie viel Neues entsteht?

  • 1: Reproduktiv (Wiedergabe)
  • 2: Reorganisational (Neuordnung)
  • 3: Generativ (Echte Neuschöpfung)

Y: Lernautonomie

Wie kompetent ist der Lernende?

  • 1: Novize (Braucht Anleitung)
  • 2: Kompetent (Kann auswählen)
  • 3: Souverän (Volle Kontrolle)

Z: Prüfungsrelevanz

Wofür wird die Leistung genutzt?

  • 1: Formativ (Lernprozess)
  • 2: Summativ (Benotung)
  • 3: Zertifizierend (Abschluss)
2: Reorganisational
Reproduktiv Reorganisational Generativ
2: Kompetent
Novize Kompetent Souverän
1: Formativ
Formativ Summativ Zertifizierend
Entscheidung wird berechnet...
VERBIETEN
BEGLEITEN
BEGRENZEN
ERLAUBEN

Beispielszenarien zum Testen

  • Mathematikprüfung (Ableitung): X=1, Y=2, Z=3 → VERBIETEN
  • Geschichtsaufsatz (9. Klasse): X=2, Y=2, Z=2 → BEGLEITEN
  • Kreatives Projekt (Fortgeschrittene): X=3, Y=3, Z=1 → ERLAUBEN
  • Literaturrecherche: X=1, Y=2, Z=2 → BEGRENZEN

Von der Verortung zur Entscheidung

Das Koordinatensystem zeigt uns, wo eine Lernsituation steht. Doch wir brauchen noch die Übersetzungslogik: Welche Position führt zu welcher Empfehlung? Die Entscheidungslogik ist das algorithmische Herzstück des Modells. Sie nimmt die drei Koordinaten und leitet daraus eindeutig einen der vier Modi ab: Verbieten, Begleiten, Begrenzen oder Erlauben. Keine Grauzone, keine endlosen Diskussionen – sondern klare, begründbare Entscheidungen auf Basis der Axiome.

Die Entscheidungslogik

Klicken Sie auf die Knoten für Details. Die Entscheidungslogik führt von der Aufgabenanalyse zum passenden KI-Modus.

START: Lernaufgabe planen
Prüfungsrelevanz = 3?
(Zertifizierende Prüfung)
JA
❌ VERBIETEN
Axiom 5: Verankerte Prüfbarkeit
NEIN
Lernautonomie = 1?
(Novizen-Status)
JA
❌ VERBIETEN
Kompetenz-Anker zuerst
NEIN
Weitere Prüfungen...
⚠️ BEGLEITEN
Didaktische Schleife
🔧 BEGRENZEN
Nur Teilaufgaben
✅ ERLAUBEN
Kognitive Souveränität

Kernregeln im Überblick

Bedingung Entscheidung Begründung
Prüfungsrelevanz = 3 VERBIETEN Axiom 5: Verankerte Prüfbarkeit
Lernautonomie = 1 VERBIETEN Axiom 2: Lerneffektivität
Y=2 UND Z=2 BEGLEITEN Didaktische Schleife
X=1 UND Y>1 BEGRENZEN Offloading-Prävention
X>1 UND Y=3 UND Z<3< /td> ERLAUBEN Kognitive Souveränität